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16

Okt.

Waldestiefen

Zartvoll flüstert des Windes Hauch durch grüne Waldestiefen,
raschelnd die Blätter wogen hindurch hoher Baumkronen liefen,
glitzernde Fäden spinnen eine Decke lichtvoll durch den Raum,
behutsam träumt die Zeit zwischen jedem goldbräunlichen Baum.

Verführerisch schmeicheln sich Wohlgerüche in milde Lüfte ein,
würzig herbe Aromendünste schwängern die Luft so klar und rein,
ein Netz gewobener Tränenketten illuminiert im seidigen Schimmer,
im Nu des Lichtertanzes währt ein kurzer Augenblick für immer.

Vom Waldessaum ins tiefe Gehölz wandern Sinne mit leichtem Fuß,
stillschweigend winkt die Ruhe einfühlsam meinem Gemüt zum Gruß,
wo kein Sorgengrau mit kalten Händen dem Licht die Freiheit nimmt,
das friedvolle Naturell der grünen Welt mein Herz glücklich stimmt.

Lieblich labt sich die Innere Freud an der streifenden Lichterflut,
dem Elysium bewusst werdend sei dem Menschen höchstes Gut,
möge die pittoreske Idylle währen als mehr für eine sonnige Zeit,
ein holder Tag im Grünen erschöpft so manches Menschenleid.

HarryKlopperson 10/2011

30

Sept.

Kleines Kerzenlicht

In einsamen Herzenskellertiefen

warst immer da, wenn Träume dich riefen,

eine Kerze mit deinem Blick entfacht,

eine Hand sanft auf meiner Schulter wacht.


Unwissend durch dunkle Gänge schreiten,

Erinnerungen an dich würden mich leiten,

da wo Angstschwaden meine Seele verdunkeln,

sehe ich nun dein Herzenslicht funkeln.


Höhlenkälte durchzog meinen Verstand,

Furcht und Ängste erbauten eine Wand,

die nicht allein zu erklimmen schien,

verzweifelnde Rufe aus Herzen schrien.


Jeden Tag einen Schritt nach vorn,

barfüßig über den letzten Sorgendorn,

im Augenschein der Geborgenheit so nah,

kleines Kerzenlicht brenne ewiglich klar.


HarryKlopperson 09/2011

29

Sept.

Wintertraum

Im milchigen Orangenschein kurz gesponnener Herbstlichtfäden ruht mein Herz auf einer einsamen Bank,
letzte dunkelbraune Blätter rieseln sachte leis in klammen Böen zum immer wiederkehrenden Zeitendrang.
Das dem ausgezerrten Geäst aufgelegte feuchte Tuch aus Dunst und gefrorenem Tau gebürdet als letzten Dank,
alsbald ein perlenreines Getriller eines Rothkehligen Sängers die anschleichende Kälte begrüßt im Lobgesang.

Ehrfürchtig erstarrt ein abgelegenes Bächlein in seinem diamantglitzernden Spiegelbild allein versunken,
in der tiefgründigen Wohlfühl-Stille haucht der frische Wind einsam über Wiesen im matten Glanz,
und über ergraut gepuderte Bergeskämme hört man das flüsternde Kommen der weißen Jahreszeit unken,
eine mehr und mehr schneeflusige Winterdecke bekleidet zärtlich die Welt in blasswangiger Dominanz.

Auf einem weiß gebetteten Nachtquartier ruht friedvoll die Kälte einsam still im untergehenden Abendschein,
im funkelnden Facettenspiel leuchtender Eiskristalle verschwimmen Konturen unter einer weißen Pracht,
über einem Glitzermeer aus Schnee und Eis zitiert der Wind den winterstaubgeborenen Nimbus zum Tanze ein,
und Träume in kleinen Wattewölkchen gehüllt purzeln vergnügt durch die atemklaren Lüfte sacht.

Mit verschlossenen Augen erfühlt mein Herz die klirrend, kalte Faszination im langsam winterlichen Takt,
wohl möge irgendwann ein letztes Schneeflöckchen dem Drängen Mutters Erde nach Veränderung weichen.
Von Jahr zu Jahr zelebriert die Natur Väterchens Frostś Rufe in schneegetupfter Glitzerwelt als neuen Pakt,
so wird das berauschende Bild, auf der Bank den ersten Klängen des Winters lauschend, mein Innerstes eichen.


HarryKlopperson 09/2011