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25

Nov.

Wo warst du

Wo warst du Wahrheit, im schmeichelnden Wörterwald,
hinter grauer Gunst, ihrer ungeziemenden Existenz,
wo gabst du Klarheit, die nimmermehr verhallt,
Kleinlautruf der Liebe, als des Herzens Influenz.

Wo warst du Frieden, unter Hasstiraden versunken,
augenscheinlich blind, deine latente Vergessenheit,
wo erklang dein Schmieden, dein dazwischenfunken,
flagrant für jedes Kind, der Hybris Menschenkleid.

Wo ist die Ultima Ratio, im Ignorantentum verborgen,
jeder Saal verschlossen, dass Drangsal ignoriert,
wann würdigt ein Szenario, Wahrheiten versus Sorgen,
die Allgegenwart ausgeschlossen, das Leben exponiert.

Wo warst du Einsicht, im Spiegelblick zerbrochen,
verstummt das Instrument, ungedeihlich verfallen,
wo erstrahlte ein Licht, die Nacht zu unterjochen,
erwache Firmament, in Hoffnungsfunkenkristallen.

HarryKlopperson 11/2011

15

Nov.

Chimärenblicke

Verwurzelt im kalten Stein wachen verstohlene Augen im tiefen Groll,
dem müden Tage abgeschworen trotzt die erstarrte Traufe den Tränen,
nur das kalte Blut der neidköpfigen Chimären wogt in dem Neide voll,
so sei das durchströmende Leben nicht mit wunden Mäulern zu dränen.

Im schwarz wehenden Ornat der Nacht bekunden die Raben das Leid,
erinnernd dem purpursamtigen Mantel der Ornis im verblichenen Fall,
kein Dämon aus tiefen Abgründen entsprungen durchbricht den Eid,
welch spiegelnde Grimassen bizarr umzäunen an des Traufrandes Wall.

Ein Schattenfresko grotesker Gestalten hüllt Mutters Erde Träume ein,
huldigend dem Mondenglanz schimmern Flügel des Grauens in der Nacht,
fern entlegen erklingt ein Windeshauch hinterm düsteren Store ganz allein,
herzfüllend tränkt die Totenstille der Menschen brandende Ängste sacht.

Mein sind all die Chimärenblicke zum Schutze deiner Träumewelt,
ein Behutsames sanft im Herzengeschmeide ineinandergewoben,
so das Reich, der Abyssus hinfort weichend in einem Lächeln zerfällt,
und schreckenskalte Herzensglieder ihre Wärme wieder geloben.


HarryKlopperson 11/2011

02

Nov.

Vor dem Tore

Wohin mag des Tores einsam’ Weg führen?
Eine Stimme flüstert leis’: “Ich weiß es nicht!”
Kann dein Herz den zarten Hauch spüren?
Er webt sich schmiegsam über dein Gesicht!

Mag die ergraute Zeit ruhn im müden Tage,
verlassen und belassen das Gassenstück,
fragil lächelt die getupfte Natur in Jade,
versonnen erwidert dein Herzensglück.

Möge das graue Jetzt den Farben weichen,
welche die Sehnsucht mit Träumen nuanciert,
ein kleiner Moment solle für immer reichen,
ein besinnliches Flüstern dem Herzen dediziert.

Obgleich die Farben fortwährend schattieren,
und unzählig die Bilder eines Lebens sind,
möge jedes Zurück die Innenwelt sedieren,
im Traum erspürst du den schmiegsam’ Wind.

HarryKlopperson 10/2010

30

Okt.

Des ewig’ Eid

Sanftvoll bedecken deine Hände meine Augen,
sachte Gefühle träumen zum zärtlichen Takt,
das betrübende Gift aus dem Herzen saugen,
bevor meine Sinne erliegen dem traurig’ Pakt.

Gleichsam pulsieren unsere Herzen in Harmonie,
liebreizend flüstern die Worte in mich herein,
und Härchen auf der Haut tanzen zur Symphonie,
Sinnesspitzengefühle im tiefen Umschlungensein.

Obacht all den Sandbänken aus Sorgen gemacht,
möge die Hingebung baden im wasserhellen Blick,
ein leuchtender Gedanke an dich hält ewig Wacht,
im Freudentränenglanz laben und nie mehr zurück.

Allzeit geeint durch Tränen aus Freud’ und Leid,
zusammenhaltend tauchen wir in die Wellen ein,
ein Leben lang verbunden durch des ewig’ Eid,
dich hinter mir zu wissen, ist des Glückes Sein.


HarryKlopperson 10/2011

28

Okt.

Azurblau

Azurblau

Im azurblauen Meer des Himmels ertrinken friedvoll meine Gedanken tief,
eine Wärme spüre ich hoch droben und Vertrautes aus fernen Wolken rief,
nicht die Note allein die Melodie schmiegt den Tränenklang um mein Herz,
dass sich des Salzes Sehnsucht mit Fingern bettet, in des Wundes Schmerz.

Eine verfallene Vergangenheit gleitet im andächtigen Flug an mir vorbei,
zartvoll intoniert der Wind in des traurig’ Angedenkens Hoffnungsschrei,
der sich einsamen Weges durch kummervolle Weiten zum ­Irgendwo ersinnt,
vom dunklen Klang des weinend’ Hauchs getragen Tränen silbern verzinnt.

Weichgetünchte Schattenrisse wehen als Narben der Zeit am Himmelsdom dahin,
unheilbar die Willkür der Natur und nur sediert durch den sommerlich’ Sinn.
Dem bittersüßen Nichtstun ist es Usus nach Entschwundenem zu trachten,
eine sich erinnernde Innenwelt, beginnt die Welt von Neuem, zu erachten.

Möge die rinnend’ Träne einsam an Herzenswände elegisch begehren,
doch ihre silberglänzenden Spuren werden nur den Zeitenstrom verehren,
und wenn auch des Kummers vieler Wölkchen im Azurblau seichte treiben,
eines güldenen Strahles Hoffnung wird sich die letzte Träne einverleiben.

HarryKlopperson 10/2011

21

Okt.

Der Streif

Nachtgleich des Mondes Sichel einsam über Felder zieht,
verzagt den dunklen Mantel im silbernen Glanze lichtet,
mit Gefühl bettet der kühle Wind ein lunarisches Trauerlied,
vom kleinen Herzenslicht hinterm düster Schatten berichtet.

In Licht dürstenden Weiten wirbt ein Streif den Funken Mut herbei,
allwissend dem Stundenglas das letzte Sandkorn entgleiten möge,
einer tief schweigenden Prozession funkelnder Gestirne einerlei,
den Baldachin der schlafenden Welt mit neuen Wünschen bezöge.

Im Tränenglanz des Augenblicks spiegelt sich ein Lichterband,
als ein Sternenfluss sich traurig über zarte Wangenhügel schmiegt.
Herzumschmeichelnd behütet es dein Innerstes mit gelinder Hand,
dass kein Herzenswunsch in einer zu Boden fallenden Träne verfliegt.

Die Schattenwelt weicht dem güldenen Strahl voller Lebensfreud’,
und verblassend zwinkert ein Leitstern in deiner Herzensfarbe,
dass ein innigst gehegter Wunsch unvergessen im nächsten Heut’,
am Himmelszelt wieder erleuchten möge als des Mondes Gabe.


HarryKlopperson 10/2010

16

Okt.

Waldestiefen

Zartvoll flüstert des Windes Hauch durch grüne Waldestiefen,
raschelnd die Blätter wogen hindurch hoher Baumkronen liefen,
glitzernde Fäden spinnen eine Decke lichtvoll durch den Raum,
behutsam träumt die Zeit zwischen jedem goldbräunlichen Baum.

Verführerisch schmeicheln sich Wohlgerüche in milde Lüfte ein,
würzig herbe Aromendünste schwängern die Luft so klar und rein,
ein Netz gewobener Tränenketten illuminiert im seidigen Schimmer,
im Nu des Lichtertanzes währt ein kurzer Augenblick für immer.

Vom Waldessaum ins tiefe Gehölz wandern Sinne mit leichtem Fuß,
stillschweigend winkt die Ruhe einfühlsam meinem Gemüt zum Gruß,
wo kein Sorgengrau mit kalten Händen dem Licht die Freiheit nimmt,
das friedvolle Naturell der grünen Welt mein Herz glücklich stimmt.

Lieblich labt sich die Innere Freud an der streifenden Lichterflut,
dem Elysium bewusst werdend sei dem Menschen höchstes Gut,
möge die pittoreske Idylle währen als mehr für eine sonnige Zeit,
ein holder Tag im Grünen erschöpft so manches Menschenleid.

HarryKlopperson 10/2011

14

Okt.

Erinnerungen

Einsam wandern Augenblicke über einen verlassenen Strand,
des Windes kühler Atem an meiner Seite im gleichen Schritt,
Sterne betten ihr glimmendes Funkeln im angespülten Sand,
eine verblassende Erinnerung hinter den Wellen zieht mich mit.

Ein Wogenschlag kräuselt das Meer zu schaumigen Schnee,
bösartig vermischt sich ein Wölkchentanz im tiefen Blau,
der nasse peitschende Brodem zitiert die Böen zur Soiree,
die Ouvertüre tränkt die Ahnung und mein Herz schlägt flau.

Nachtgleich stürmt der Wind über meine Innenwelt,
in der bebenden Luft verhungern Rufe in Weiten,
die Sehnsucht schickt ein Schiff, das nicht zerschellt,
um mein Herz durch alle Stürme hindurch zu geleiten.

Barfüßig folge ich den Gefühlen und spüre die Sterne im Sand,
unnachgiebig ersucht mein Herz alle Erinnerungen zu finden,
das Glück hinter welcher Welle auch immer ziehe ich ans Land,
den Lichtpunkt hinterm Horizont in meinem Herzen zu binden.


HarryKlopperson 10/2011

12

Okt.

Nebulös

Im dampfenden Tuch nebelhafter Schwaden schweigt ein See in Bedacht,
ergeben verneigen sich des Gehölzes hohe Zinnen und halten wacht,
und zart verhallend das Flüstern des Windes in gräulicher Harmonie,
eine Träne der Natur trauert um vergangene lichterfüllte Euphorie.

Führet schemenhaft ein schwammiger Steg ins hell leuchtende Nichts,
dass ein verwelktes Lebewohl entgleitet, durch des Schatten Lichts,
obgleich morsche Planken raustimmig auf sachtem Schritte klagen,
eine erschöpfte Natur wird allmählich unter grauen Flor begraben.

Auf der letzten Planke lauscht mein Herz den stillen Klängen,
und ein Schmerz erfühlt das Alte im Neuen zusammenhängen,
in einem Atemzug verliert sich der Moment im Gespür tief in mir,
behutsam lächelt die verblasste Welt und ich erkenne Ihre Zier.

Immerwährend fließt der Zeitenstrom im Einklang mit dem Sein,
Menschen, Getier und Natur halten sich fest daran und sehen ein,
dass die Veränderung wie gräulich kalt sie auch immer werden mag,
irgendwann als letztes Grau erbleicht im ersten farbenfrohen Tag.

HarryKlopperson 10/2011

07

Okt.

Tränenmusik

Ein Klavier spielt aus fernen Räumen ein trauriges Sternenlied,
hinter endlos verschlossenen Türen flüstern leise die Tränen,
wehmütig der Traum in einer Seifenblase zu den Lichtern zieht,
Noten aus tiefstem Herzen entsprungen schwingen zum Sehnen.

Der Mondenschein predigt einsam durch die im Abendwind wiegenden Store,
ein Schattenspiel streicht zärtlich über die schwarzen Tasten hin,
verzagt schwebt der feine Zeitenstaub bei jedem Klang über die Empore,
verfängt sich in aus Trübsinn gewebte Netze im fallenden Herzenssinn.

Für einen ewigen Moment gefriert die Zeit in einem sorgenvollen Takt,
in disharmonischen Tönen zerspringt ein Hoffnungskristall in Scherben,
die Dunkelheit schließt mit der Partitur aus Tränen einen einsamen Pakt,
dass nur noch die in Einsamkeit rufende Melodie die Nacht kann, beerben.

Mit dem letzten Tränenklang verhallt auch der letzte Ton im großen Nichts,
des Windes Nachhut streichelt zärtlich noch einmal über die schwarze Klaviatur,
und zurufend durch die Dunkelheit webt sich des lächelnden Mondes Lichts,
tief hinter der letzten verschlossenen Herzenstür summt ewiglich die Partitur.

HarryKlopperson 10/2011